Börse

Rüstungsaktien unter Druck – Analysten bleiben trotzdem optimistisch

Rheinmetall und RENK bieten laut Experten noch Kurspotenzial – gleichzeitig beginnt der Preiskampf um Deutschlands neues Altersvorsorgedepot

4 Min.

08.09.2026

Rheinmetall-Chef Armin Papperger und der Politikwissenschaftler Carlo Masala, Professor an der Universität der Bundeswehr München, am 28.08.2026 am Rande einer Podiumsdiskussion der Academy of International Affairs NRW in Düsseldorf.

Die deutschen Rüstungsaktien haben nach ihrer langen Rally zuletzt deutlich an Schwung verloren. Analysten sehen bei Rheinmetall, RENK, Hensoldt und TKMS dennoch teilweise erhebliches Kurspotenzial. Gleichzeitig entsteht am anderen Ende des Kapitalmarkts ein völlig neuer Wettbewerb: Noch vor dem Start des staatlich geförderten Altersvorsorgedepots im Januar 2027 unterbieten sich Broker und Fondsgesellschaften bereits bei den Gebühren.

Rheinmetall verliert – die Analysten bleiben bullish

Bei den deutschen Rüstungswerten hat sich die Stimmung zuletzt spürbar abgekühlt. Verzögerungen bei Bundeswehrprojekten und Berichte über mögliche Qualitätsprobleme belasteten nicht nur Rheinmetall, sondern zogen auch RENK, Hensoldt und TKMS mit nach unten. Rheinmetall schloss am Montag bei 1.020,80 Euro, RENK bei 42,57 Euro und Hensoldt bei 79,18 Euro. TKMS konnte sich mit 84,40 Euro etwas besser behaupten.

Bemerkenswert ist die Diskrepanz zu den Analysteneinschätzungen. Zwölf der 14 von TipRanks erfassten Experten empfehlen Rheinmetall weiterhin zum Kauf. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei rund 1.678 Euro; Goldman Sachs sieht sogar 2.300 Euro, während JPMorgan mit 1.350 Euro deutlich vorsichtiger bleibt.

Noch geschlossener ist das Bild bei RENK: Alle sieben zuletzt aktiven Analysten empfehlen die Aktie zum Kauf. Das mittlere Kursziel liegt bei rund 67 Euro, die Spanne reicht von 60 bis 75 Euro. Bei Hensoldt ist das Bild gemischter: Vier Kauf- stehen zwei Halteempfehlungen gegenüber. Das durchschnittliche Kursziel beträgt knapp 100 Euro.

Bei TKMS ist die Analystenbasis noch klein und entsprechend weniger belastbar. Die Kursziele reichen von 66 bis 125 Euro – eine ungewöhnlich große Spanne, die zeigt, wie unterschiedlich der erst seit Kurzem eigenständig börsennotierte Marinespezialist bewertet wird.

Für Anleger bleibt damit die zentrale Frage, ob der jüngste Rücksetzer tatsächlich eine Kaufgelegenheit ist – oder ob die Kurse erstmals beginnen, operative Risiken wie Lieferfähigkeit und Projektverzögerungen stärker einzupreisen.

Beim Altersvorsorgedepot beginnt die Preisschlacht

Während bei den Rüstungsaktien um Bewertungen gerungen wird, entsteht anderswo gerade ein neuer Massenmarkt für Wertpapiere.

Ab 1. Januar 2027 startet das neue staatlich geförderte Altersvorsorgedepot. Das Gesetz ist bereits verabschiedet. Beim besonders einfachen Standarddepot dürfen die Effektivkosten höchstens ein Prozent jährlich betragen; vorgesehen sind zwei vom Anbieter ausgewählte Fonds, einer eher sicherheits- und einer stärker renditeorientiert.

Die Anbieter wollen diese Obergrenze offenbar bei Weitem nicht ausschöpfen.

Smartbroker kündigte an, beim Standarddepot dauerhaft auf eigene Depotgebühren zu verzichten. In den ersten drei Jahren sollen zudem die laufenden ETF-Kosten vollständig erstattet werden. Danach soll die Erstattung für Kunden weiterlaufen, wenn sie mindestens 15 Transaktionen jährlich in ihrem normalen Depot durchführen. Die zugrunde liegenden Produktkosten sollen ansonsten überwiegend unter 0,15 Prozent liegen.

Quirion setzt gemeinsam mit Vanguard auf zwei Indexfonds mit laufenden Kosten von lediglich 0,07 beziehungsweise 0,08 Prozent und will ebenfalls keine eigene Depotführungsgebühr verlangen. Scalable Capital hatte bereits zuvor ein gebührenfreies Standarddepot angekündigt; ausgewählte ETFs sollen dort 2027 zunächst ebenfalls ohne laufende Fondskosten angeboten werden.

Auch die klassischen Anbieter reagieren. Die Sparkassentochter Deka will am Mittwoch spezielle Produkte für das neue Vorsorgedepot vorstellen. Nach bisherigen Informationen soll ein globaler Aktien-ETF rund 0,1 Prozent jährlich kosten; auf Vertragsebene will die Deka beim Standarddepot offenbar unter 0,5 Prozent bleiben. Union Investment peilt nach Brancheninformationen Gesamtkosten von etwa 0,65 Prozent an.

Der Kostendeckel von einem Prozent könnte damit weniger zur tatsächlichen Preisobergrenze als vielmehr zum Startschuss für einen Wettbewerb deutlich darunter werden.

Das ist für Anleger nicht nebensächlich. Bei Vorsorgeverträgen, die über Jahrzehnte laufen, können wenige Zehntelprozentpunkte Gebühren durch den Zinseszinseffekt erhebliche Beträge ausmachen.

Und für Banken, Broker und Fondsgesellschaften geht es um noch mehr: Rund 45 Millionen Menschen könnten grundsätzlich Zugang zum neuen geförderten Vorsorgemodell erhalten. Wer sich früh als günstiger Standardanbieter etabliert, kann damit Kundenbeziehungen gewinnen, die möglicherweise mehrere Jahrzehnte bestehen.

So unterschiedlich die beiden Börsenthemen zunächst wirken, verbindet sie am Ende eine klassische Anlegerfrage:

Wie viel Zukunft ist bereits im Preis enthalten?

Bei Rüstungsaktien geht es darum, ob hohe Auftragsbestände die ambitionierten Bewertungen rechtfertigen. Beim Altersvorsorgedepot darum, wie weit Anbieter ihre Preise senken können, um sich einen Platz in einem neuen Massenmarkt zu sichern.

Stefanie S. Klief

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