Börse

BP stürzt in die nächste Führungskrise

Der britische Energiekonzern BP hat seinen Verwaltungsratschef Albert Manifold überraschend abgesetzt. Die Börse reagierte prompt: Die Aktie verlor zeitweise rund 9 Prozent. 

3 Min.

26.05.2026

BP hat seinen Chairman Albert Manifold mit sofortiger Wirkung abberufen. Das Unternehmen begründete den Schritt mit »ernsten Bedenken« hinsichtlich Governance, Aufsicht und Verhalten, ohne weitere Details zu nennen. Der Verwaltungsrat traf die Entscheidung einstimmig. Interimistisch übernimmt nun Ian Tyler den Vorsitz, während die Suche nach einer dauerhaften Nachfolge beginnt.

Für den Markt kam die Nachricht überraschend. Manifold war erst seit Oktober 2025 im Amt und galt als zentrale Figur bei der strategischen Neuausrichtung des Konzerns. Die Reaktion der Anleger fiel entsprechend deutlich aus: Die BP-Aktie verlor zeitweise mehr als 9 Prozent und lag auch später noch deutlich im Minus.

Mehr als eine Personalie

Der Kursrückgang zeigt, dass Investoren den Vorgang nicht als gewöhnlichen Führungswechsel betrachten. Manifold hatte innerhalb weniger Monate wichtige Entscheidungen angestoßen, darunter die Berufung der neuen Konzernchefin Meg O'Neill und die weitere Abkehr von Teilen der früheren grünen Transformationsstrategie.

Viele Anleger verbanden mit ihm die Hoffnung auf mehr Effizienz, höhere Renditen und eine stärkere Fokussierung auf das klassische Öl- und Gasgeschäft. Sein plötzlicher Abgang wirft daher Fragen auf, ob dieser Kurs nun unverändert fortgesetzt wird oder neue Unsicherheit entsteht.

BP kämpft seit Jahren mit der Strategie

Der Konzern befindet sich seit Jahren in einem Spannungsfeld zwischen Energiewende und traditionellem Ölgeschäft. Unter dem früheren Management hatte BP ambitionierte Klimaziele formuliert und Investitionen in erneuerbare Energien massiv ausgebaut. Viele Investoren kritisierten jedoch die schwächere Entwicklung gegenüber Wettbewerbern wie Shell oder ExxonMobil.

In den vergangenen Jahren vollzog BP daher eine teilweise Kehrtwende. Der Konzern reduzierte seine Ambitionen im Bereich erneuerbare Energien und verstärkte wieder Investitionen in Öl- und Gasprojekte. Aktivistische Investoren wie Elliott Management hatten zusätzlichen Druck aufgebaut und weitergehende Veränderungen gefordert.

Besonders belastend ist für BP, dass der aktuelle Vorgang erneut Governance-Fragen aufwirft. Bereits 2023 musste der damalige CEO Bernard Looney wegen nicht offengelegter Beziehungen zu Mitarbeitern seinen Posten räumen. Nun folgt mit Manifold innerhalb weniger Jahre die nächste hochrangige Führungskraft, die wegen Verhaltens- und Governance-Fragen ausscheidet.

Analysten sehen darin ein Reputationsproblem. Gerade bei großen börsennotierten Konzernen erwarten Investoren stabile Führungsstrukturen, klare Verantwortlichkeiten und verlässliche Aufsicht. Wiederholte Turbulenzen können das Vertrauen in die Unternehmensführung beeinträchtigen – selbst wenn die operative Entwicklung stabil bleibt.

Anleger blicken auf die neue Führung

Für BP kommt die Krise zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Die neue CEO Meg O'Neill hat ihre Arbeit erst vor wenigen Wochen aufgenommen und soll den Konzern wieder auf einen profitableren Kurs bringen. Gleichzeitig bleibt die Energiebranche durch geopolitische Spannungen, volatile Ölpreise und die langfristige Transformation des Energiesystems unter Druck.

Die entscheidende Frage lautet nun, ob der Verwaltungsrat schnell für Stabilität sorgen kann. Anleger werden genau beobachten, ob BP an seiner aktuellen Strategie festhält oder ob der überraschende Führungswechsel weitere Veränderungen nach sich zieht.

SK

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