Börse

Audi fährt auf Reserve

Gewinn bricht um 87 Prozent ein – VW-Tochter senkt erneut die Jahresprognose

4 Min.

30.10.2026

Audi unter Druck: Der Gewinn des Ingolstädter Autobauers ist im dritten Quartal 2026 um 87 Prozent eingebrochen. Zugleich musste der Premiumhersteller seine Jahresprognose erneut senken.

Auf den Milliardenverlust bei Volkswagen folgt die nächste schlechte Nachricht aus dem Konzern: Audi hat im dritten Quartal 2026 kaum noch Gewinn erzielt. Der Überschuss sank um 87 Prozent auf nur 95 Millionen Euro. Gleichzeitig korrigiert der Premiumhersteller seine Jahresziele erneut nach unten. Damit verschärft sich die Frage, wie schnell der Volkswagen-Konzern seine Ertragskraft wiederherstellen kann.

Audi ist im dritten Quartal 2026 nur knapp an einem Verlust vorbeigeschrammt. Wie der Ingolstädter Autobauer am Freitag mitteilte, blieben nach Steuern lediglich 95 Millionen Euro Gewinn übrig. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht das einem Einbruch um 87 Prozent.

Auch die Neunmonatsbilanz zeigt, wie stark das Geschäft unter Druck geraten ist. Der Umsatz des Audi-Konzerns, zu dem unter anderem Bentley, Lamborghini und Ducati gehören, sank um rund 13 Prozent auf 42,06 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis verringerte sich von 1,56 Milliarden auf 1,15 Milliarden Euro. Die operative Umsatzrendite lag damit nur noch bei 2,7 Prozent. Bereits im ersten Halbjahr hatte Audi ein operatives Ergebnis von rund 1,12 Milliarden Euro erzielt. Im gesamten dritten Quartal kamen rechnerisch somit nur noch rund 30 Millionen Euro hinzu.

China und USA belasten das Geschäft

Hauptursachen sind die schwache Nachfrage in China, der zunehmende Wettbewerb und die US-Zölle. Im dritten Quartal lieferte die Kernmarke Audi weltweit nur 314.905 Fahrzeuge aus, 19,7 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.

Auf den ersten neun Monaten betrachtet schrumpften die Verkäufe in China um nahezu ein Viertel, in den USA um rund ein Sechstel. Zwar entwickelte sich der Absatz in Deutschland und Europa etwas besser, doch konnten diese Märkte die Rückgänge nicht ausgleichen.

Besonders problematisch ist für Audi die Kombination aus sinkenden Stückzahlen und hohem Preisdruck. Der Konzern muss weiterhin erhebliche Mittel in neue Modelle, Elektromobilität und Software investieren, während die Erträge aus dem bestehenden Geschäft zurückgehen.

Hinzu kommen die amerikanischen Einfuhrzölle. Anders als BMW und Mercedes verfügt Audi bislang über kein eigenes Produktionswerk in den USA und ist deshalb besonders von Importabgaben betroffen.

Zweite Prognosesenkung innerhalb eines Jahres

Die Geschäftsentwicklung zwingt Audi zu einer weiteren Korrektur seiner Jahresziele. Statt der bislang erwarteten 58 bis 63 Milliarden Euro Umsatz rechnet das Unternehmen für 2026 nur noch mit 55 bis 59 Milliarden Euro.

Noch schwerer wiegt die reduzierte Gewinnerwartung. Die prognostizierte operative Umsatzrendite sinkt von bisher fünf bis sieben auf drei bis fünf Prozent. Auch die Erwartungen an den Netto-Cashflow werden zurückgenommen: Statt drei bis vier Milliarden Euro sollen nun lediglich 2,5 bis 3,5 Milliarden Euro erreicht werden. Dabei handelt es sich bereits um die zweite Prognosesenkung des laufenden Geschäftsjahres. Im März hatte Audi noch eine operative Rendite zwischen sechs und acht Prozent angestrebt.

Das Management will den wachsenden Druck mit zusätzlichen Effizienzmaßnahmen beantworten. Kosten, Produktivität und Investitionsprioritäten rücken damit noch stärker in den Mittelpunkt. Parallel verfolgt Audi Pläne für ein eigenes US-Werk im Bundesstaat Georgia. Die milliardenschwere Investition steht allerdings noch unter dem Vorbehalt der erforderlichen Gremienentscheidungen.

Was der Gewinneinbruch für Volkswagen bedeutet

Für Börsenanleger ist die Entwicklung vor allem mit Blick auf die Konzernmutter relevant. Audi ist seit 2020 vollständig im Besitz der Volkswagen AG und nicht mehr eigenständig an der Börse notiert.

Die neuen Zahlen folgen unmittelbar auf den Quartalsbericht von Volkswagen. Der Konzern hatte am Donnerstag einen operativen Verlust von 5,9 Milliarden Euro gemeldet. Maßgeblich dafür waren hohe Sondereffekte, insbesondere Abschreibungen im Zusammenhang mit Porsche. Die Probleme bei Audi sind davon zu unterscheiden, verschärfen aber die allgemeine Ertragsschwäche des Konzerns.

Vor allem die Premiummarken galten lange als wichtige Gewinnbringer der Volkswagen-Gruppe. Wenn auch dort die Margen unter Druck geraten, wird es schwieriger, die hohen Aufwendungen für den industriellen Umbau aus dem laufenden Geschäft zu finanzieren.

Für die Bewertung der Volkswagen-Aktie rücken deshalb nicht allein die kurzfristigen Verkaufszahlen, sondern vor allem die operative Rendite und der Cashflow in den Fokus.

Die entscheidende Frage ist inzwischen, wie viel Ertragskraft von den deutschen Premiummarken übrig bleibt, während sie gleichzeitig in ihre technologische und industrielle Zukunft investieren müssen.

Das könnte Sie auch interessieren:

Nach oben