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Chancen für Buffett-Anleger – warum man nicht die „Krisengewinner“ jagen sollte

3 Min.

04.03.2026
IMAGO / ZUMA Press Wire, wirtschaft tv, Annalena Haslinger

Ein Gastbeitrag von David Bader-Egger

In jeder Krise passiert das Gleiche: Ein Teil des Marktes will sofort die Profiteure kaufen – Öl, Defense, Shipping. Das kann kurzfristig funktionieren. Buffett-Logik ist jedoch anders: Nicht die beste Story kaufen, sondern die beste Ausgangslage.

Chance 1: Qualitätswerte im Index-Sog (die „unglamouröse“ Opportunity)

Risk-Off verkauft oft pauschal und nicht, weil sich an einem Unternehmen fundamental etwas geändert hat, sondern weil Risiko reduziert wird. In so Phasen entstehen Chancen bei Firmen, die:

stabile Cashflows haben

• wenig Refinanzierungsdruck besitzen

• Preissetzungsmacht nachweisen

• und im Abverkauf „mitgerissen“ werden

In Krisen kauft man selten »das, was steigt«. Man kauft häufig das, was zu stark fällt, obwohl die Bilanz robust ist.

Chance 2: Versicherung & War-Risk-Pricing als Second-Order-Hebel

Was Anleger gerne übersehen: Nicht nur Öl, auch Versicherung und Fracht werden neu bepreist. Reuters berichtet über Kündigungen/Reduktionen von War-Risk-Deckungen und stark steigende Prämien.

Das bedeutet: Risiko bekommt wieder einen Preis und wer Risiken absichern muss, zahlt. Das kann (nicht muss) in Teilen des Ökosystems zu Preissetzungsmacht führen. Gleichzeitig bleibt Claims-Risiko real: Das ist kein „sicherer Profiteur“, sondern ein Bereich, den man nur mit Bilanz- und Underwriting-Verständnis anfassen sollte.

Chance 3: Gas/LNG – der Kanal, den viele zu spät beachten

Öl dominiert die Schlagzeilen, aber die Störung von Schifffahrtsrouten und Versicherbarkeit trifft auch Gas-/LNG-Flüsse. Gerade deshalb springt die Diskussion in Europa schnell auf Energiepreise und Wachstumssorgen – die Straße von Hormus ist dabei auch für LNG ein kritischer Engpass.

Chance 4 (Buffettiger als es klingt): Optionalität statt Heldentum

Wenn ein Schock potenziell stagflationär wirkt, können lange Bonds und High-Duration-Aktien gleichzeitig unter Druck geraten. Reuters/WSJ schildern bereits, dass Renditen wegen Inflationssorgen nicht zwingend fallen.

In so Phasen ist Cash/kurze Laufzeit nicht »uninvestiert«, sondern eine Option: später mit Sicherheitsmarge zu handeln.

Was Buffett-Anleger gerade NICHT tun sollten

• Defense/Energy hinterherlaufen, wenn die Bewegung schon gelaufen ist (Überpaying-Risiko).

• »Billige« Zykliker kaufen, ohne zu prüfen, ob Gewinne normalisiert oder Peak-Earnings sind.

• Safety Margin durch »Qualitäts-Narrativ« ersetzen.

Die Buffett-Checkliste für genau solche Wochen

1. Was muss passieren, damit ich falsch liege?

2. Habe ich Sicherheitsmarge oder kaufe ich Hoffnung?

3. Wie lange hält die Bilanz ein schlechtes Jahr aus?

4. Kann das Unternehmen Kosten weitergeben?

5. Ist der Diskontsatz-Effekt (Zinsen) in meiner Bewertung drin?

Fazit: Die besten Chancen sind selten »Kriegsprofite«. Sie sind Fehlbewertungen in Qualitätswerten plus die Fähigkeit, geduldig zu bleiben, bis der Preis stimmt. 

(Keine Anlageberatung.)

Der Autor:

David Bader-Egger ist als Gründer von Stockanalyzer (gehört wie Wirtschaft TV zur Backhaus Mediengruppe), Warren-Buffett-Experte sowie als Autor mehrerer Bücher bekannt.

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