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EU verschärft Kampf gegen Steuerbetrug – Ermittler sollen mehr Zugriff erhalten

Neue Regeln gegen Mehrwertsteuerbetrug könnten Milliardenverluste eindämmen

Die EU verschärft den Kampf gegen Steuerbetrug. Europäische Ermittler sollen künftig besseren Zugriff auf Mehrwertsteuerdaten erhalten, um grenzüberschreitende Betrugsnetzwerke schneller aufzudecken

2 Min.

06.05.2026

Die EU-Staaten wollen den Kampf gegen grenzüberschreitenden Steuerbetrug deutlich verschärfen. Bei einem Treffen der Finanzminister in Brüssel verständigten sich die Mitgliedsländer darauf, Ermittlungsbehörden künftig besseren Zugang zu Daten über grenzüberschreitende Mehrwertsteuergeschäfte zu ermöglichen.

Profitieren sollen vor allem die Europäische Staatsanwaltschaft Europäische Staatsanwaltschaft sowie die Anti-Betrugsbehörde OLAF. Beide Institutionen sollen schneller und umfassender auf relevante Mehrwertsteuerdaten zugreifen können, um grenzüberschreitende Betrugsnetzwerke aufzudecken.

Im Fokus steht insbesondere der sogenannte Karussellbetrug. Dabei werden Waren mehrfach zwischen Unternehmen innerhalb der EU gehandelt. Eine Firma kassiert die Mehrwertsteuer, führt sie jedoch nicht an den Staat ab und verschwindet anschließend, während andere Beteiligte die Steuer dennoch erstattet bekommen. Nach Angaben der EU-Kommission entstehen dadurch jährlich Schäden zwischen 12,5 und 32,8 Milliarden Euro.

Neben dem besseren Datenaustausch soll auch die Zusammenarbeit nationaler Behörden intensiviert werden. Ziel ist es, Betrugsfälle schneller grenzüberschreitend verfolgen und Finanzströme effizienter analysieren zu können.

Die wirtschaftliche Bedeutung ist erheblich. Steuerbetrug belastet nicht nur öffentliche Haushalte, sondern verzerrt auch den Wettbewerb innerhalb des europäischen Binnenmarkts. Unternehmen, die legal arbeiten und Steuern korrekt abführen, geraten dadurch gegenüber kriminellen Strukturen ins Hintertreffen.

Die EU reagiert damit auf wachsenden politischen Druck. In den vergangenen Jahren hatten sowohl Mitgliedstaaten als auch EU-Institutionen wiederholt auf massive Schwächen bei der Bekämpfung von Finanzkriminalität hingewiesen.

Bevor die neuen Regeln in Kraft treten können, muss allerdings noch das Europäische Parlament zustimmen.

Die Initiative zeigt damit eine klare Richtung: Die EU will Finanzkriminalität künftig stärker zentralisiert und datenbasiert bekämpfen – und Milliardenverluste für die öffentlichen Haushalte reduzieren.

SK

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