Wirtschaft

EU zieht Förder-Stopp für chinesische Wechselrichter durch

Warum Solarprojekte plötzlich zum Sicherheitsrisiko werden

Die EU zieht die Notbremse bei Solarprojekten mit chinesischer Technik. Fördermittel werden gestrichen – aus Angst vor Cyberrisiken. Das trifft die Energiewende direkt. Hinter der Entscheidung steckt ein größerer Konflikt: Sicherheit versus Ausbaugeschwindigkeit.

2 Min.

24.04.2026

Die Europäische Kommission hat die Förderung für Energieprojekte gestoppt, in denen Wechselrichter aus sogenannten Hochrisikoländern verbaut sind. Betroffen sind insbesondere Komponenten aus China, aber auch aus Russland, Iran und Nordkorea. Für neue Projekte gilt der Förderstopp ab sofort. Damit greift Brüssel in einen zentralen Bereich der Energiewende ein, denn gerade bei Solarprojekten dominieren bislang chinesische Anbieter.

Im Zentrum der Entscheidung stehen Sicherheitsbedenken. Wechselrichter steuern, wann und wie Strom aus Solaranlagen oder Batteriespeichern ins Netz eingespeist wird – und sind in der Regel internetfähig. Aus Sicht der EU-Kommission entstehen dadurch potenzielle Angriffspunkte für Cyberattacken. Die Maßnahme ist Teil einer breiteren Strategie, kritische Infrastruktur stärker vor externem Zugriff zu schützen und technologische Abhängigkeiten zu reduzieren.

Die Auswirkungen sind erheblich. In der Europäischen Union werden bislang nahezu alle Wechselrichter aus China eingesetzt, insbesondere von großen Herstellern wie Huawei oder Sungrow. Entsprechend viele Projekte sind betroffen – sowohl innerhalb der EU als auch in angrenzenden Regionen wie dem Balkan oder Nordafrika, sofern sie an das europäische Stromnetz angebunden sind.

Der Förderstopp betrifft nicht nur neue Vorhaben. Finanzinstitute wurden aufgefordert, laufende Projekte zu prüfen und nach Möglichkeit auf andere Komponenten umzustellen. Nur bereits weit fortgeschrittene Projekte können unter bestimmten Übergangsregelungen weiterhin umgesetzt werden. Gleichzeitig müssen Förderbanken und Investoren ihre Projektpipelines kurzfristig melden und anpassen.

Die Entscheidung steht im Kontext einer grundlegenden industriepolitischen Neuorientierung. Die EU versucht seit Monaten, ihre Abhängigkeit von asiatischen Lieferketten zu verringern und gleichzeitig eine eigene Produktion strategischer Schlüsseltechnologien aufzubauen. Bereits zuvor hatte die Kommission Vorschläge vorgelegt, die bei staatlich geförderten Projekten verstärkt auf europäische Komponenten setzen.

Damit wird ein strukturelles Spannungsfeld sichtbar: Einerseits will Europa seine Energieversorgung schneller ausbauen, andererseits wachsen die Anforderungen an Sicherheit und technologische Souveränität. Der Förderstopp für chinesische Wechselrichter zeigt, dass diese Ziele zunehmend miteinander konkurrieren – und politische Entscheidungen künftig stärker von sicherheitspolitischen Erwägungen geprägt sein dürften.

SK

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