Wirtschaft

EU-KI-Strategie vor dem Problem: Der Strom reicht nicht

Studie warnt vor »Debakel« – Energieplanung hinkt KI-Ausbau hinterher

KI braucht Strom – und davon deutlich mehr als geplant. Eine neue Studie des Kieler Instituts für Weltwirtschaft zeigt, warum Europas Strategie ins Wanken geraten könnte.

3 Min.

09.04.2026

Europas ehrgeizige Pläne im Bereich künstliche Intelligenz stoßen auf ein grundlegendes Problem: den Strom. Eine aktuelle Analyse des Kieler Instituts für Weltwirtschaft warnt davor, dass die Energieplanung der Europäischen Union nicht mit dem geplanten Ausbau von KI-Infrastruktur Schritt hält – mit potenziell weitreichenden Folgen für Wirtschaft, Klimaziele und Wettbewerbsfähigkeit.

Konkret geht es um den sogenannten »AI Continent Action Plan«, mit dem die EU ihre Rechenzentrumskapazitäten bis 2030 deutlich ausbauen will. Doch genau hier entsteht eine wachsende Diskrepanz: Der zusätzliche Strombedarf durch KI könnte deutlich höher ausfallen, als bisher eingeplant. Laut Studie dürfte der Verbrauch von Rechenzentren bis 2030 auf bis zu 168 Terawattstunden steigen – etwa so viel wie der gesamte Strombedarf eines Landes wie Polen.

Damit würden Rechenzentren künftig bis zu fünf Prozent des gesamten Stromverbrauchs der EU ausmachen – mehr als doppelt so viel wie noch wenige Jahre zuvor. Gleichzeitig wächst der Energiebedarf auch in anderen Bereichen weiter, etwa durch Elektromobilität und Wärmepumpen. Die zentrale Annahme, dass der Stromverbrauch in anderen Sektoren stabil bleibt, gilt daher als unrealistisch.

Die Folge ist eine strukturelle Lücke: Bis 2030 könnte ein Stromdefizit entstehen, das in seiner Größenordnung dem gesamten Jahresverbrauch eines kleineren europäischen Landes entspricht. Für die EU entsteht daraus ein strategisches Dilemma, das die Studie als „Trilemma“ beschreibt: Entweder die Union riskiert eine stärkere Abhängigkeit von fossilen Energien, bremst ihr Wirtschaftswachstum oder fällt im globalen Wettbewerb um künstliche Intelligenz weiter zurück.

Denn auch im internationalen Vergleich zeigt sich ein wachsender Rückstand. Während die USA ihre Rechenzentrumskapazitäten ausbauen und China sogar eine Verdreifachung anstrebt, droht Europa trotz eigener Investitionen an Bedeutung zu verlieren.

Im Kern kritisieren die Forscher eine fehlende Verzahnung zweier zentraler Politikfelder. „KI-Politik darf nicht von Energiepolitik getrennt werden“, heißt es in der Analyse. Die EU plane digitale Infrastruktur, ohne sicherzustellen, dass die Energieversorgung diese Entwicklung tragen kann.

Als Lösung schlägt die Studie vor, den Ausbau von Rechenzentren konsequent mit zusätzlicher CO₂-armer Stromerzeugung zu koppeln und Energie- sowie Digitalstrategie enger aufeinander abzustimmen. Nur wenn beide Bereiche parallel gedacht werden, könne Europa seine ambitionierten Ziele erreichen, ohne wirtschaftliche oder ökologische Zielkonflikte zu verschärfen.

Die Analyse macht damit ein strukturelles Problem sichtbar, das über die KI hinausgeht. Es geht nicht nur um Technologie, sondern um die Frage, ob Europa seine Zukunftspläne systemisch zu Ende denkt – oder an genau den Grundlagen scheitert, die diese Zukunft überhaupt erst ermöglichen.

SK

SK

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