Die wirtschaftliche Substanz in Deutschland gerät zunehmend unter Druck. Neue Daten zeigen, dass in vielen Regionen inzwischen mehr wirtschaftlicher Wert verloren geht, als durch neue Investitionen aufgebaut wird.
Im Zentrum der Entwicklung steht die sogenannte Nettoinvestitionsquote. Sie misst, ob Unternehmen mehr in Anlagen wie Maschinen, Gebäude oder Infrastruktur investieren, als gleichzeitig durch Abnutzung verloren geht. Aktuell zeigt sich ein historischer Bruch: In den Jahren 2024 und 2025 lagen die Abschreibungen erstmals über den Investitionen.
Damit ist das volkswirtschaftliche Anlagevermögen gesunken – ein Vorgang, der seit der Wiedervereinigung nicht mehr zu beobachten war. Die Nettoinvestitionsquote fiel zuletzt auf minus 0,2 Prozent, nachdem sie in den 1990er-Jahren noch bei durchschnittlich 7,3 Prozent und selbst in den 2000er- und 2010er-Jahren noch bei rund 3 Prozent gelegen hatte.
Die Folgen sind strukturell: Wenn weniger investiert wird, altert die wirtschaftliche Basis. Maschinenparks werden nicht modernisiert, Infrastruktur verliert an Leistungsfähigkeit und Innovationskraft nimmt ab.
Gleichzeitig verschärft sich die Gesamtlage der Wirtschaft. Das Wachstum liegt nahe null, die Arbeitslosigkeit steigt wieder leicht und viele Unternehmen berichten von rückläufigen Aufträgen.
Besonders kritisch ist, dass die Entwicklung regional unterschiedlich ausfällt. Während einzelne Ballungsräume stabil bleiben, verlieren viele Regionen zunehmend wirtschaftliche Substanz. Damit droht eine stärkere wirtschaftliche Spaltung innerhalb Deutschlands.
Die Zahlen zeigen damit mehr als eine konjunkturelle Schwächephase. Sie deuten auf ein strukturelles Problem hin: Der Standort investiert zu wenig in seine eigene Zukunft.
Die zentrale Frage lautet daher nicht mehr nur, wie kurzfristiges Wachstum erzeugt werden kann – sondern, wie die wirtschaftliche Basis langfristig erhalten und erneuert wird.
SK