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44 Prozent wollen auch nach Renteneintritt arbeiten

XING-Studie zeigt großes Arbeitskräftepotenzial, doch Geld ist nicht das wichtigste Motiv

3 Min.

24.06.2026

Fast jeder zweite Beschäftigte kann sich vorstellen, über das reguläre Rentenalter hinaus berufstätig zu bleiben. Entscheidend sind dabei weniger finanzielle Anreize als geistige Aktivität, soziale Kontakte und eine sinnvolle Aufgabe. Für Unternehmen eröffnet sich damit eine Chance, Erfahrung und Fachwissen länger zu erhalten.
 

44 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland können sich vorstellen, nach Erreichen des regulären Rentenalters weiterzuarbeiten. Elf Prozent wollen dies «auf jeden Fall», weitere 33 Prozent halten es für wahrscheinlich. 50 Prozent lehnen eine längere Berufstätigkeit dagegen eher oder vollständig ab.

Das zeigt die XING-Wechselwilligkeitsstudie 2026, für die das Meinungsforschungsinstitut forsa 3.418 abhängig Beschäftigte ab 18 Jahren befragt hat.

Babyboomer besonders offen

Am größten ist die Bereitschaft bei den Babyboomern der Jahrgänge 1946 bis 1964. In dieser Gruppe können sich 52 Prozent eine Weiterbeschäftigung vorstellen, darunter 20 Prozent mit einer klaren Zustimmung.

Deutlich skeptischer zeigt sich die Generation X. Von den zwischen 1965 und 1980 Geborenen schließen 56 Prozent eine Tätigkeit über das reguläre Rentenalter hinaus aus. Zwischen Männern und Frauen bestehen bei der grundsätzlichen Bereitschaft dagegen kaum Unterschiede.

Arbeit soll geistig und sozial aktiv halten

Für die meisten Befragten steht nicht das zusätzliche Einkommen an erster Stelle. Von denjenigen, die sich eine Weiterarbeit vorstellen können, möchten 67 Prozent damit geistig fit bleiben. 59 Prozent nennen soziale Kontakte und 52 Prozent die persönliche Sinnerfüllung.

Erst an vierter Stelle folgt mit 44 Prozent die finanzielle Notwendigkeit. Flexible Arbeitszeiten sind für 35 Prozent ein wichtiges Motiv.

Bei den finanziellen Gründen zeigt sich allerdings ein deutlicher Geschlechterunterschied. 51 Prozent der weiterarbeitsbereiten Frauen geben an, auf das zusätzliche Einkommen angewiesen zu sein. Unter den Männern sind es 39 Prozent. Steuerliche Anreize und staatliche Prämien spielen dagegen für Männer eine größere Rolle.

Aktivrente schafft neue Anreize

Seit dem 1. Januar 2026 können Beschäftigte nach Erreichen der Regelaltersgrenze im Rahmen der Aktivrente monatlich bis zu 2.000 Euro steuerfrei verdienen. Zudem dürfen Arbeitgeber ehemalige Mitarbeiter leichter sachgrundlos befristet weiterbeschäftigen.

Ob diese Maßnahmen den Fachkräftemangel spürbar lindern, ist in der Wirtschaft umstritten. Einer Randstad-ifo-Umfrage zufolge halten 36 Prozent der Unternehmen die Aktivrente für ein wirksames Instrument. 28 Prozent erwarten dagegen kaum oder keine Wirkung.

In der Praxis beschäftigen bereits 70 Prozent der befragten Unternehmen Mitarbeiter im Ruhestand. Die wichtigsten Gründe sind der Erhalt von Fachwissen und der Wissenstransfer an jüngere Kollegen.

Unternehmen müssen Arbeit neu gestalten

Die XING-Ergebnisse machen deutlich, dass finanzielle Vergünstigungen allein nicht ausreichen dürften. Wer erfahrene Mitarbeiter nach dem Renteneintritt halten möchte, muss Aufgaben, Arbeitszeiten und Verantwortung an ihre Lebensphase anpassen.

Teilzeitmodelle, projektbezogene Tätigkeiten, Mentorenrollen und flexible Einsatzzeiten könnten dabei wichtiger sein als klassische Vollzeitstellen. Unternehmen erhalten im Gegenzug Zugang zu Erfahrung und Kontakten, die beim abrupten Ausscheiden älterer Mitarbeiter häufig verloren gehen.

Die Weiterarbeit im Rentenalter ist damit weniger eine Frage des gesetzlichen Renteneintritts als der betrieblichen Bedingungen. Das Potenzial ist vorhanden. Ob es genutzt wird, entscheidet sich am Arbeitsplatz.

SK

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