Vor einem EU-Gipfel zur wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit ist ein Streit über die künftige Industriepolitik der Europäischen Union entbrannt. Bundeskanzler Friedrich Merz lehnt eine umfassende Bevorzugung europäischer Produkte bei öffentlichen Ausgaben ab und stellt sich damit gegen entsprechende Forderungen aus Frankreich. Die Debatte betrifft die strategische Ausrichtung Europas zwischen offenem Wettbewerb und stärkerem Schutz heimischer Unternehmen.
Merz spricht sich für einen Ansatz »Made with Europe« aus, der internationale Kooperationen einbezieht und die europäische Wirtschaft stärker in globale Wertschöpfungsketten integriert. Eine generelle Bevorzugung europäischer Anbieter könnte aus seiner Sicht Investitionen hemmen und wirtschaftliche Offenheit einschränken.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron plädiert dagegen für eine gezielte Priorisierung europäischer Unternehmen, insbesondere in strategischen Bereichen wie Verteidigung, saubere Technologien oder Industrieproduktion. Ziel sei es, Europas wirtschaftliche Souveränität zu stärken und die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den USA und China zu sichern.
Hintergrund der Debatte sind zunehmende geopolitische Spannungen, globale Subventionsprogramme und wachsender Wettbewerbsdruck auf europäische Unternehmen. Die Europäische Union diskutiert deshalb Maßnahmen zur Förderung heimischer Industrien, zum Bürokratieabbau und zur Stärkung des Binnenmarkts. Gleichzeitig warnen Kritiker vor protektionistischen Effekten und möglichen Handelskonflikten.
Die Diskussion über die wirtschaftspolitische Ausrichtung der EU gilt als zentral für die zukünftige Rolle Europas in der globalen Wirtschaft. Entscheidungen über Industriepolitik, Investitionsstrategien und staatliche Förderung könnten langfristig Einfluss auf Wachstum, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen haben.
SK