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E-Auto-Prämie kann jetzt beantragt werden

Der Staat fördert Kauf und Leasing neuer Elektroautos mit bis zu 6.000 Euro – abhängig von Einkommen und Familie

Die neue staatliche E-Auto-Prämie kann ab sofort beantragt werden und gilt rückwirkend für Neuzulassungen seit dem 1. Januar 2026. Gefördert werden Kauf und Leasing von neuen Elektroautos sowie unter bestimmten Bedingungen auch Plug-in-Hybride und Range-Extender-Modelle. Die Höhe des Zuschusses hängt von Einkommen, Antriebsart und Familiengröße ab. Für die Autobranche ist das Programm ein wichtiger Impuls – aber keine Garantie für einen dauerhaften Nachfrageboom.

5 Min.

19.05.2026

Die neue Kaufprämie für Elektroautos ist startklar. Privatpersonen können ab dem 19. Mai 2026 staatliche Förderung für den Kauf oder das Leasing eines neuen E-Autos beantragen. Das Förderportal wird über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle abgewickelt. Die Prämie gilt rückwirkend für Fahrzeuge, die seit dem 1. Januar 2026 neu zugelassen wurden.

Der Staat unterstützt damit nach dem Auslaufen des früheren Umweltbonus erneut den Umstieg auf elektrische Antriebe. Anders als bei früheren Förderprogrammen ist die neue Prämie stärker sozial gestaffelt. Wer weniger verdient oder Kinder hat, soll stärker profitieren. Die Förderung liegt je nach Antriebsart und persönlicher Situation zwischen 1.500 und 6.000 Euro.

Für reine batterieelektrische Fahrzeuge beträgt die Basisförderung 3.000 Euro. Haushalte mit niedrigerem Einkommen können höhere Beträge erhalten. Die maximale Förderung von 6.000 Euro ist für Haushalte mit besonders niedrigerem Einkommen und Kindern vorgesehen. Plug-in-Hybride und Fahrzeuge mit Range Extender werden ebenfalls gefördert, allerdings mit geringeren Beträgen. Voraussetzung ist, dass die technischen und formalen Bedingungen des Programms erfüllt sind.

Die Förderung ist an Einkommensgrenzen gebunden. Für Haushalte ohne Kinder liegt die Grenze bei 80.000 Euro zu versteuerndem Jahreseinkommen. Mit Kindern steigt sie, bei einer Familie mit 2 Kindern etwa auf 90.000 Euro. Entscheidend ist damit nicht allein der Fahrzeugpreis, sondern die finanzielle Situation des Haushalts. Genau das soll verhindern, dass vor allem Besserverdienende von staatlichen Zuschüssen profitieren.

Anträge können erst nach der Zulassung gestellt werden. Käufer müssen also zunächst das Fahrzeug erwerben oder leasen und anschließend die Förderung beantragen. Benötigt werden unter anderem Kauf- oder Leasingvertrag, Zulassungsbescheinigung und Einkommensnachweise. Der ADAC weist darauf hin, dass der Antrag spätestens 1 Jahr nach der Zulassung gestellt werden muss. Förderfähig sind nur Neufahrzeuge, die erstmals in Deutschland zugelassen werden.

Für die Autoindustrie kommt die Förderung zu einem wichtigen Zeitpunkt. Der deutsche Pkw-Markt bleibt trotz leichter Erholung unter dem Niveau vor der Corona-Pandemie. Im April wurden nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts 249.163 Pkw neu zugelassen, 2,7 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Seit Jahresbeginn kamen 948.567 Neuwagen auf die Straße. Damit liegt der Markt weiterhin deutlich unter dem Vor-Corona-Niveau von 2019.

Bei Elektroautos zeigt sich jedoch bereits Bewegung. Im April hatte etwa jedes 4. neu zugelassene Auto einen rein elektrischen Antrieb. Das war einer der höchsten bisher gemessenen Marktanteile für reine E-Autos. Das Beratungsunternehmen EY sieht die neue Kaufprämie als wichtigen Grund für diese Entwicklung. Dafür spricht auch, dass private Neuzulassungen stärker zulegten als gewerbliche.

Für Hersteller und Händler ist das Programm deshalb ein willkommener Impuls. Viele Verbraucher hatten nach dem abrupten Ende des früheren Umweltbonus gezögert. Die neue Förderung schafft nun wieder Planungssicherheit, zumindest für förderberechtigte Käufer. Besonders für private Haushalte mit mittlerem Einkommen kann der Zuschuss die Entscheidung für ein Elektroauto erleichtern.

Gleichzeitig bleibt die Wirkung begrenzt. Die Prämie richtet sich nur an Privatpersonen und ist an Einkommensgrenzen gebunden. Gewerbliche Käufer, die weiterhin einen großen Teil des Neuwagenmarktes ausmachen, profitieren nicht direkt. Auch gebrauchte Elektroautos werden nicht gefördert. Damit erreicht das Programm ausgerechnet viele Haushalte nicht, für die ein Neuwagen trotz Prämie weiterhin zu teuer bleibt.

Hinzu kommt die anhaltende Unsicherheit rund um Ladeinfrastruktur, Strompreise und Restwerte. Eine Kaufprämie kann den Anschaffungspreis senken, löst aber nicht automatisch alle praktischen Probleme der Elektromobilität. Wer keine Lademöglichkeit zu Hause hat oder in ländlichen Regionen auf ein dünneres Ladenetz angewiesen ist, kalkuliert anders als Haushalte mit eigener Wallbox. Auch die Frage, wie sich Restwerte von E-Autos entwickeln, bleibt für viele Käufer wichtig.

Kritik gibt es zudem an der Förderung von Plug-in-Hybriden. Befürworter sehen sie als Brückentechnologie, weil sie elektrisches Fahren im Alltag ermöglichen können. Kritiker halten dagegen, dass viele Plug-in-Hybride im realen Betrieb zu selten geladen und dann wie normale Verbrenner genutzt werden. Dadurch könnten staatliche Mittel in Fahrzeuge fließen, deren Klimanutzen stark vom Nutzungsverhalten abhängt.

Für den Markt bleibt die neue Prämie dennoch ein wichtiges Signal. Nach Monaten der Zurückhaltung bekommt der E-Auto-Absatz wieder politischen Rückenwind. Das Programm soll nicht nur Verbraucher entlasten, sondern auch der deutschen Autoindustrie helfen, den Übergang zur Elektromobilität zu stabilisieren. Gerade Hersteller mit starkem Deutschlandgeschäft brauchen eine verlässlichere private Nachfrage, wenn sie ihre Elektro-Modelle breiter in den Markt bringen wollen.

Ob die Förderung dauerhaft wirkt, bleibt offen. EY-Experte Constantin Gall warnte bereits, dass der Elektro-Absatz nach dem Auslaufen der Prämie wieder einbrechen könnte. Das wäre ein bekanntes Muster: Kaufzuschüsse können Nachfrage vorziehen, aber keine stabile Marktakzeptanz ersetzen. Langfristig entscheiden Fahrzeugpreise, Reichweiten, Ladezeiten, Infrastruktur, Stromkosten und Vertrauen in die Technologie.

Die neue E-Auto-Prämie ist deshalb ein Neustart, aber kein Selbstläufer. Sie kann den Umstieg erleichtern und kurzfristig Verkäufe anschieben. Für eine nachhaltige Mobilitätswende braucht es jedoch mehr: günstigere Modelle, ein dichteres Ladenetz, bezahlbaren Ladestrom und klare politische Rahmenbedingungen. Erst dann wird aus Förderung echte Marktdynamik.

SK

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