Börse

Nach Bilanzskandal und 70-Prozent-Crash: SDAX-Aktie vor dem Rauswurf

Verzögerte Zahlen und schwere Vorwürfe setzen Gerresheimer massiv unter Druck

70 Prozent Verlust und kein Ende in Sicht: Der Bilanzskandal bei Gerresheimer bringt den SDAX-Platz ins Wanken und erschüttert das Vertrauen der Anleger.

3 Min.

09.04.2026

Die Turbulenzen rund um den Spezialverpackungshersteller Gerresheimer spitzen sich weiter zu. Nach massiven Kursverlusten und anhaltenden Bilanzproblemen droht dem Unternehmen nun auch der Ausschluss aus dem SDAX – ein weiterer Tiefpunkt in einer ohnehin angespannten Entwicklung.

Auslöser ist ein Bilanzskandal, der sich seit Monaten ausweitet. Interne Untersuchungen sowie externe Prüfungen haben ergeben, dass es in den Geschäftsjahren 2024 und 2025 zu fehlerhaften Buchungen gekommen ist. Dabei geht es insbesondere um die Erfassung von Umsätzen sowie die Bewertung von Vorräten.

Die Aufarbeitung dieser Unregelmäßigkeiten verzögert die Veröffentlichung des Geschäftsberichts 2025 deutlich. Statt wie ursprünglich geplant, kann der testierte Abschluss voraussichtlich erst nach Ende März vorgelegt werden. Damit verstößt das Unternehmen gegen die Regularien der Deutschen Börse – ein Ausschluss aus dem SDAX wird damit sehr wahrscheinlich.

Für Anleger ist das nur der nächste Rückschlag in einer Serie negativer Nachrichten. Die Aktie hat im Zuge der Entwicklungen massiv an Wert verloren. Über einen Zeitraum von rund einem Jahr summieren sich die Verluste auf etwa 70 bis 80 Prozent – ein dramatischer Absturz selbst für einen Nebenwert.

Bereits zuvor hatten wiederholte Korrekturen und neue Abschreibungsbedarfe das Vertrauen erschüttert. Allein für das Geschäftsjahr 2024 wurde ein Korrekturbedarf von rund 35 Millionen Euro beim Umsatz festgestellt, während auch das operative Ergebnis deutlich nach unten angepasst werden musste.

Die Situation wird zusätzlich dadurch verschärft, dass die Untersuchungen noch nicht abgeschlossen sind. Das Unternehmen hat eine zweite Wirtschaftsprüfungsgesellschaft eingeschaltet, um die Vorgänge umfassend zu klären. Wie weit sich die Probleme tatsächlich erstrecken, ist damit weiterhin offen.

Für den Kapitalmarkt ist der drohende Index-Ausschluss ein deutliches Signal. Die Zugehörigkeit zum SDAX gilt als wichtiges Qualitätsmerkmal und sorgt für Sichtbarkeit bei institutionellen Investoren. Fällt ein Unternehmen aus dem Index, sinkt häufig auch die Nachfrage nach der Aktie, da viele Fonds ihre Positionen anpassen müssen.

Die Entwicklung erinnert damit an ein Muster, das an der Börse immer wieder zu beobachten ist: Auf operative Probleme folgen Vertrauensverluste – und daraus entsteht eine Abwärtsspirale, die sich selbst verstärkt.

Ob Gerresheimer diesen Prozess stoppen kann, hängt nun vor allem davon ab, wie schnell und vollständig die Bilanzprobleme aufgeklärt werden. Bis dahin bleibt die Aktie ein Unsicherheitsfall – und ein Beispiel dafür, wie schnell Vertrauen am Kapitalmarkt verloren gehen kann.

SK

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