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Corona, Amazon und Onlinehandel: Experte Siegler im Interview

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Herr Siegler, kein Wirtschaftszweig hat in der Corona-Pandemie so profitiert wie der Onlinehandel. Amazon-Chef Bezos ist an einem Tag um 13 Milliarden Dollar reicher geworden. Halten Sie Amazon für fair bewertet?

Nein, ich denke nicht das die Bewertung den tatsächlichen Marktwert wiedergibt. Vielmehr erinnert es mich an das Jahr 2000 und die geplatzte Spekulationsblase, insbesondere die sogenannten Dotcom-Unternehmen waren betroffen. “Amazon könne pleite gehen, sagte Firmengründer Jeff Bezos bei einem Treffen mit Angestellten schon 2018. Das Unternehmen sei keineswegs zu groß, um zu scheitern.” Ich denke das stimmt 2020 einmal mehr. Selbst die IT, welche zum Großteil selbstgebaut wurde, hat Ihre Grenzen. Viele ehemalige Entwickler haben (etwa aus Altergründen) das Unternehmen verlassen. Es ist unheimlich komplex ein solches “Daten-Silo” a) am Leben zu erhalten und b) es ständig zu skalieren. Womöglich kommt schon bald der große Knall. Bis es so weit ist, sollten Händler aber nicht auf Amazon verzichten und etwaige Investoren womöglich die Euphorie hinterfragen.

Wodurch expandiert Amazon? Auch durch selbstständige Händler? Wie funktioniert das?

Amazon hat sehr viele Sparten, der “Webshop Amazon” ist nur ein Teil davon. Aus E-Commerce und Dropshipping Sichtweise ist das der relevanteste, jedoch nicht in Anbetracht des Gesamtkonstrukt Amazon. Es ist kein Geheimnis, dass Amazon AWS die größte sowie lukrativste Sparte ist. Bei letzterem, handelt es sich um die sogenannten Amazon Web Services. Amazon bietet hier eine der führenden Cloud-Computing-Lösungen. Amazon expandiert aber auch durch Händler die Ihre Waren auf dem Marketplace anbieten. Die Produktvielfalt nimmt faktisch täglich zu. 

Gibt es Alternativen zum Amazon-Handel? Oder kommt man am Monopol nicht vorbei?

Alternativen gibt es reichlich. Bekannt sind mir rund 1.300 alternative Absatzwege im europäischen Raum. Etwas breiter gedacht, stehen in über 45 Ländern sogar mehr als 2.000 Absatzkanäle für Dropshipper sowie klassische Versandhändler zur Verfügung. Je nach Produkt und Vertriebsland ist es keineswegs so, dass Händler auf Amazon am meisten Absetzen. Aber für die Mehrheit der Produkte ist es nicht unerheblich vom “Amazon-Trust” zu profitieren. Fakt ist, dass immer mehr Produktsuchen auf Amazon direkt und nicht auf Suchmaschinen wie Google stattfinden. Es macht also durchaus Sinn, dort vertreten zu sein. Aber es macht noch viel mehr Sinn, auch andere Plattformen zu nutzen, um nicht in Abhängigkeiten zu geraten. 

Ihrer Erfahrung nach: Wie gut kommen neue Händler auf die Beine? Lohnt sich das Geschäft?

Ja in jedem Falle. Amazon erhält täglich einen Zustrom an neuen Händler – zu tausenden. Nach mir bekannten Informationen, kommen noch immer mehr neue Händler hinzu als welche wegziehen. Insofern scheint Amazon vorerst nicht zu stoppen. Also selbst, wenn Amazon seine Händler sperrt oder suspendiert ist dies im Einzelfall für den Betroffenen extrem ärgerlich bis geschäftsschädigend. Dennoch wird hier die Wichtigkeit deutlich: die reine Abhängigkeit vermeiden und bei den Absatzkanälen differenzieren.

 

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