Die aktuelle Zollpolitik der USA unter Donald Trump birgt nach Einschätzung von Experten erhebliche Risiken für die globale Wirtschaft – doch sie könnte auch unerwartete positive Effekte auslösen. Wie der Unternehmensberater Roland Berger analysiert, zeigt der Handelskonflikt zwei Seiten: eine unmittelbar negative und eine potenziell positive mittelfristige Entwicklung.
Die unmittelbaren Folgen der amerikanischen Abschottungspolitik seien besorgniserregend: »Für die US- und die Weltwirtschaft sowie die Finanzmärkte stellt dies eine ernsthafte Gefahr dar«, warnt Berger gegenüber der »Bild«. Besonders betroffen sei Deutschland, wo rund 45 Prozent der Wirtschaftsleistung vom Außenhandel abhängen. Die von Trump verhängten Zölle könnten zu Preissteigerungen in den USA führen, was eine Rezession auslösen und die Inflation anheizen würde – mit potenziellen Folgen für den Dollar und die globalen Finanzmärkte.
Deutsche Exportunternehmen stehen vor großen Herausforderungen, da sie die zusätzlichen Zollkosten nicht vollständig an ihre US-Kunden weitergeben können. »Das wird zu wirtschaftlichen Belastungen führen – nicht nur bei den Autoherstellern, sondern auch bei ihren Zulieferern«, so Berger. Da Großunternehmen wie BMW oder VW nur etwa 30 bis 35 Prozent der Wertschöpfung selbst erbringen, würde sich der Zolldruck über die gesamte Lieferkette ausbreiten – mit negativen Beschäftigungseffekten.
Langfristige Chancen: Mehr Freihandel außerhalb der USA
Doch Berger sieht auch eine mögliche positive Entwicklung: »85 Prozent des Welthandels laufen nicht mit den USA. Wenn der Rest der Welt mit mehr Freihandel auf die US-Politik reagiert, könnte dies mittelfristig vorteilhaft sein.« Tatsächlich zeichne sich bereits eine stärkere Zusammenarbeit der europäischen Staaten ab.
»Die Welt außerhalb der USA könnte enger zusammenrücken«, erklärt Berger laut Bericht. Eine isolierte USA würde langfristig unter diesem Bündnis leiden, da auch sie auf internationale Partner angewiesen sei. Als kurzfristige Strategie empfiehlt Berger jedoch harte Gegenzölle, um eine bessere Verhandlungsposition gegenüber den USA zu erreichen.
MK